Wenn im August kommenden Jahres die Regenzeit zu Ende geht, beginnt der endgültige Count Down für die Stadt Guangzhou, Hauptstadt der Provinz Guangdong im Süden Chinas. Im deutschen Sprachgebrauch kennen wir dieses Gebiet als die Provinz Kanton. Guangzhou mit seinen ca. 3,5 Millionen Einwohnern organisiert die bevorstehenden Asian Games, und die sich daran anschließenden Asian Para Games.Vorläufer der heutigen Asian Games sind die „Fernöstlichen Olympischen Spiele“, die vor knapp hundert Jahren erstmals auf den Philippinen in Manila veranstaltet wurden. Sie fanden anschließend im Zweijahresrhythmus statt. Eine längere Unterbrechung gab es wegen des zweiten Weltkrieges und dessen Folgen. Indien war im Jahre 1948 Initiator einer Neuauflage. Ein Jahr später wurde die Asian Games Federation [AGF] unter dem Vorsitz Indiens begründet. Die Sportveranstaltung selbst erhielt den Namen Asian Games. Er ist bis heute so unverändert geblieben. Die Verbandssatzung orientiert sich in allen Kernpunkten an der Olympischen Charta des IOC. 1951 war Neu Delhi Gastgeber der I. Asian Games. Seit 1954 finden sie im Vierjahresrhythmus statt, und zwar jeweils zwei Jahre vor den nächsten bzw. nach den letzten Olympischen Sommerspielen.
Bei den Asian Games gibt es, in Anlehnung an die Olympischen Spiele, Sommerspiele und Winterspiele. Im kommenden Jahr werden zum zehnten Mal die Asian Para Games, als Parallelveranstaltung für körperbehinderte asiatische Sportler/innen, durchgeführt. Sie finden zwei Wochen später, vom 12. bis 19. Dezember in Guangzhou statt. Der Organisator gibt an, dass in diesen zwei Wochen alle vorhandenen Sport- und Trainingsstätten, Unterkünfte, Hallen u. a. m. barrierefrei umgerüstet werden. Mit einem gewissen Stolz wird betont, dass nichts neu errichtet, sondern alle vorhandenen Einrichtungen, barrierefrei umgerüstet, genutzt werden.
Wenn am Donnerstag, dem 11. November 2010 im Guangdong Olympic Stadium die offizielle Eröffnungsfeier stattfindet, warten etwa zehn Tausend Athlet/innen aus nahezu allen Ländern Asiens darauf, sich in über vierzig Sportarten messen zu können. Dem Wettkampfprogramm gehören sowohl olympische als auch nicht olympische Disziplinen an. Sie reichen von B wie Badminton bis W wie Wushu. Dazwischen liegen so bekannte wie Basketball, Boxen, Fechten, Leichtathletik, Reiten, Tischtennis, Turnen und Volleyball. Aber auch uns nicht so geläufiger Sport wie Bodybuilding, Bowling, Cricket, Kabaddi, Schach, Soft Tennis, und Taekwondo ermittelt seine Sieger und Platzierten.
Ein Blick auf den Medaillenspiegel der letzten Asian Games zeigt, dass China der absolute Topfavorit ist. Es scheint auch dieses Mal weniger die Frage zu sein, wer Medaillensieger wird. Vielmehr wird spekuliert bis gewettet, wie viel Goldmedaillen China als Sieger dieses Mal gewinnen wird. Die silbernen und bronzenen Plätze 2 und 3 haben sich seit Beginn der achtziger Jahre in schöner Regelmäßigkeit Japan und Südkorea geteilt bzw. streitig gemacht.
Die Asian Games finden das zweite Mal in China statt. 1990 war Peking Host City der damaligen XI. Asiad. Und das übernächste Mal ist die Stadt Incheon in Südkorea Gastgeber der XVII. Asian Games 2014.
Ein drängendes Zeitproblem sieht die Stadt Guangzhou als schier unlösbar an: Die Renovierung vorhandener Sportstätten. Sie werden regelmäßig auch von großen Teilen der Bevölkerung zum Allgemeinsport genutzt. Entsprechend groß sind in vielerlei Hinsicht die Abnutzungserscheinungen. Für die Asian Games sollen, ja müssen diese Einrichtungen sauber, frisch renoviert sein. Wird zu früh renoviert, besteht die Gefahr, dass bis zum November nächsten Jahres die Abnutzungen so eklatant sind, das ein zweites Mal renoviert werden muss. Das ist nicht budgetiert. Es muss, bildlich gesprochen, bis zur letzten Sekunde gewartet werden, um diese Sportstätten für den Allgemeinsport zu sperren und zu renovieren. Dann darf wirklich nichts dazwischen kommen.
Abgesehen von der Leistungssportszene in einigen Sportarten wird den Asian Games bei uns hier in Europa recht wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Hören Sie, liebe Leserinnen und Leser, anlässlich der einen oder anderen Sportveranstaltung mit Weltklassebesetzung bei der persönlichen Vorstellung der Teilnehmer/innen einmal näher hin! Sie werden feststellen, dass durchaus auch einmal Sieger oder Medaillengewinner der Asian Games mit am Start sind.





