Abgrenzung – Ausgrenzung – Zielgruppenbestimmung?
In Deutschland, liebe Seniorinnen und Senioren, haben wir heutzutage die vielfältigsten Möglichkeiten, Sport zu treiben. Wir können ihn verschiedenartig kategorisieren. So z. B. nach Sportarten [Einzel-Mannschaft, Indoor-Outdoor], nach Disziplinen, oder aber nach Intensität [Wettkampf-, Breiten-, Freizeit-, Gelegenheitssport]. Doch am Ende steht die immer entscheidender werdende Frage: organisiert oder nicht. Also Vereinsmitglied oder nicht. Und wenn nicht, dann, je nach dem, kommerziell wie in VHS oder Sportstudio. Oder aber ohne jegliche Fremdkosten auf eigenverantwortlicher, auf Privatbasis.
Organisierter Sport, also Sportvereine, und kommerzielle Anbieter ziehen und zerren an ihren potentiellen Kunden hin und her, um sie für sich zu gewinnen. Die Motive differieren. Das müssen sie auch. Schon deswegen, weil die eine Seite gemeinnützig, also eine Non-Profit-Organisation ist, während es die Aufgabe der anderen, der kommerziellen Seite ist, Gewinne machen zu müssen. Ansonsten stünde es schlecht um eine dauerhafte Existenzberechtigung. Man würde dann steuerrechtlich von Liebhaberei sprechen – müssen -.
Beiden Seiten stellt sich jedoch dieselbe Frage: Wie spreche ich meine Kunden an, mit welchen Argumenten kann ich sie für mich gewinnen? Formuliere ich absichtlich ganz allgemein „Seniorensport“? Wer fühlt sich dadurch besonders angesprochen, wer nicht? Sind Senioren im Allgemeinen eine klar definierte Zielgruppe, oder reicht das so nicht aus?
Wenn es um das Thema Senior/innen geht, kommen wir ohne die Demografie nicht aus. Das geht nicht. Der Bevölkerungsanteil der über 60jährigen wird bis Mitte dieses Jahrhunderts auf etwa 40% ansteigen. Die stärkste Bevölkerungsgruppe in Deutschland wird in Kürze der Personenkreis der 40 bis 60jährigen sein. In diesen beiden Bereichen sehen die Marketingexperten die Zukunft für ihren Auftraggeber, die Sportindustrie, Umsatz und Gewinn zu machen.
Es gibt zu dieser Thematik verschiedene Meinungen und Auffassungen. Sie haben momentan alle nebeneinander Bestand. Zu einer abschließenden Beurteilung der einen oder der anderen Seite fehlen – noch – die Erfahrungswerte. So wird z. B. gänzlich davon abgeraten, von Seniorensport zu sprechen. Das könnte eher eine Ausgrenzung als eine Zielgruppenbestimmung ausdrücken. Zielgruppen ihrerseits könnten genauer definiert und bestimmt werden. Z. B. nach Situation und Einstellung zum Leben, bis hin zum Perspektivenwechsel. Oder nach sportlicher Vorerfahrung, nach Vorkönnen. Ein anderer Gesichtspunkt wäre die Alterseinteilung. Ab etwa 40 bis ca. 65-/70jährig wäre es beispielsweise das Mittlere Erwachsenenalter. Ältere würden dann die bis ca. 80-/85jährigen genannt, Hochaltrige diejenigen darüber. Die Sportinteressen und Bedürfnisse sind bei Männern dieser Generationen sehr viel anders als bei den Frauen. Das müssen Sportanbieter und Industrie angemessen berücksichtigen. Die Erfassung des biologischen Alters als Kriterium wäre heutzutage zu wenig und in keine Weise ausreichend. Untersuchungen zeigen, dass die körperliche und geistige Fitness der heute 70jährigen mit derjenigen der vor ca. dreißig Jahren 65jährigen vergleichbar ist. Zusätzlich ist der heutige Gesundheitszustand deutlich besser als damals. Auch daraus ergibt sich ein völlig anderes Verständnis und Verhalten in der Freizeitgestaltung.
Am liebsten jedoch wird die Zeit mit fernsehen verbracht. Der statistische Wert liegt bei reichlich 90%, dicht gefolgt von Zeitung lesen bei etwa 80%. Tendenz steigend.
Was würden Sie denn von einem Sportkanal halten? Der über wirklich alles berichtet? Von der Vereins- bis hin zur Weltmeisterschaft? Von der Gymnastikgruppe der örtlichen VHS bis hin zum Profi Stepp Dance?
24 Stunden deutsches Sportfernsehen! Nonstop! Sieben Tagen die Woche! Mit möglichst wenig Werbepausen! Das wär’s doch, liebe Seniorinnen und Senioren!





