Passend zur Weihnachtszeit läuft jetzt ein Film, in dem es trotz - oder gerade aufgrund vieler Kontroversen extrem menschelt. Der Solist erzählt die Geschichte zweier Männer, die unterschiedlicher nicht sein können. Doch im Laufe der Geschichte nimmt jeder im Leben des jeweils anderen eine immer bedeutend werdende Rolle ein. Die Macht der Freundschaft spielt hier eine ebenso große Rolle wie die der Musik. Und wenn man dann noch weiß, dass Der Solist eine tatsächlich geschehene Geschichte erzählt, ist man umso mehr berührt.
Steve Lopez (Robert Downey Jr.), Top-Kolumnist der Tageszeitung „Los Angeles Times", befindet sich in einem seelischen Tief. Es scheint, als würden sich die Leser seiner Kolumne an seinem Leid erfreuen: Je direkter er über seine Probleme spricht, je lieber werden seine Artikel gelesen. Eines Tages wandert Steve auf der Suche nach einer neuen Story durch die Straßen der Stadt der Engel. Durch Zufall trifft er den Obdachlosen Nathaniel Anthony Ayers (Jamie Foxx). Dieser spielt auf seiner zweisaitigen Geige derart gekonnt und gefühlvoll Musik, dass Steve faszinierend innehält und gebannt zuhört. Steve wittert eine absolut interessante Geschichte für seine Kolumne und beginnt Recherchen über diesen Obdachlosen. Er erfährt, dass Nathaniel als Kind ein begnadeter Cello-Spieler war. Er hatte eine brillante Zukunft vor sich. Doch die Probleme werden für den Jungen immer erdrückender, seine Seele leidet extrem und Nathaniels Leben verändert sich rigoros. Steve versucht mithilfe seiner Kolumne, Nathaniel wieder an den Punkt zurückzubringen, an dem er damals aufhörte; er möchte die Karriere des genialen Musikers ankurbeln. Seine Geschichte über das ehemalige Wunderkind des Cellospiels erntet so viel Aufmerksamkeit, dass er das Angebot einer Buchveröffentlichung erhält. Und er soll sogar für seinen sozial engagierten Journalismus ausgezeichnet werden! Steve schenkt Nathaniel ein Cello, er kümmert sich um eine Bleibe für seinen obdachlosen Freund. Doch Nathaniel braucht keinen Ruhm, sondern etwas ganz anderes; er verfällt in Panik und droht immer weiter in seine eigene Welt einzutauchen. Nun muss sich der Journalist entscheiden, ob er seinem obdachlosen Freund beistehen will oder ihn weiterhin als Sprungbrett für seine Karriere missbraucht.
Im ersten Moment könnte man annehmen, dass sich der Titel Der Solist auf den obdachlosen Nathaniel bezieht. Doch im Grunde geht es um zwei Solisten. Zum einen ist da der begnadete Musiker, bei dem man denken könnte, dass die Macht der Musik und das Engagement seines neuen Freundes Steve ihm die Kraft zur Heilung seines Geistes geben. Aber auch Steve ist ein Solist. Der emotionale und Mut machende Film erzählt, wie sich die Einstellungen und Ansichten des Journalisten im Laufe extrem wandeln. Der Solist zeigt auf, wie falsche Erwartungen den Blick für das Wesentliche verschleiern.
Die beiden Hauptdarsteller verkörpern ihre Charaktere ungemein glaubwürdig; ihre Dialoge verleihen dem schweren Thema des Films einen Hauch von Leichtigkeit. Durch ihr Spiel erreichen die Beiden beim Zuschauer, dass er sich mit den Schicksalen der Menschen, denen kein wohlbehütetes Leben vergönnt ist, auseinandersetzt. Durch Rückblenden in Nathaniels Jugend wird aufgezeigt, wie es zu dem Fall des einstigen Wunderkindes kam. Aufgrund des komplexen Themenfeldes geht Der Solist nicht wirklich in die Tiefe, doch die schauspielerische Leistung sowie die Kameraführung und das exzellente Zusammenspiel der Bilder mit der bewegenden Musik lassen den Film leben. Der Solist ist mal wieder ein Beweis dafür, dass das reale Leben die besten Geschichten hervorbringt; die Filmemacher müssen sie nur noch publikumstauglich umwandeln.
Der Solist, Kinostart 10. Dezember 2009





